Wie gefährlich ist die Vogelgrippe?

Die Vogelgrippe hat Europa erreicht. Dem H5N1-Virus sind inzwischen auch in der Türkei mehrere Menschen zum Opfer gefallen. Die augenblickliche akute Gefährdung für Deutschland schätzt das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin als gering ein. Allerdings weist das Institut - ebenso wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) - darauf hin, dass das Risiko einer Pandemie (so werden große und übergreifende Epidemien bezeichnet) in Europa derzeit so hoch ist wie seit Jahrzehnten nicht.

Grundsätzliches
Die effiziente Übertragung von Mensch zu Mensch ist dem als besonders aggressiv geltenden H5N1 Virus bislang zwar noch nicht gelungen, es könne aber durch ständige Änderungen seines Erbguts oder – in diesem Falle schlagartig – durch den Austausch ganzer Gene mit menschlichen Influenza A-(Grippe-)Viren die Fähigkeit erlangen, effektiver als bisher Menschen zu infizieren und vor allem von Mensch zu Mensch übertragen zu werden. Ein neuer und hoch gefährlicher Virustyp könnte dabei entstehen.


Wie kommt es zu einer Übertragung?
Einige besonders abnorme Erregerstämme können auch für Menschen gefährlich sein. Seit 1997 ist bekannt, dass bei intensivem Kontakt mit erkrankten Tieren Vogelgrippeviren auch auf den Menschen übertragbar sind. Das Virus findet sich in Sekreten der Atemwege der Vögel. Es ist aber vor allem im Kot infizierten Geflügels konzentriert. Die Übertragung auf den Menschen findet vermutlich hauptsächlich durch Inhalation virushaltiger Staubteilchen bzw. durch Tierkontakt bei mangelnder Händehygiene statt. Der Seuchenerreger wird von infizierten Tieren weitergegeben. Er kann aber auch durch Eier und Geflügelfleisch, durch Kleider, Schuhe oder andere Gegenstände aus infizierten Gebieten übertragen werden. In wenigen Fällen wird die Übertragung durch den Genuss roher Geflügelgerichte erklärt. Vereinzelt wird eine Übertragung vom Kranken auf andere Personen durch engen Kontakt vermutet. In Einzelfällen (z. B. in Indonesien) konnte der Ansteckungsweg nicht geklärt werden.


Wie verläuft die Vogelgrippe beim Menschen?
Die Erkrankung beginnt etwa zwei bis fünf Tage nach der Ansteckung und verläuft ähnlich einer schweren Grippe mit hohem Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, Husten, Gliederbeschwerden und Lungenentzündung. Etwa die Hälfte der Kranken leidet unter Durchfall. Übelkeit und Bauchschmerzen können hinzukommen. Als Komplikation tritt häufig ein Lungenversagen auf. Etwa die Hälfte der Erkranken starb bisher.


Kann die Vogelgrippe mit Medikamenten behandelt werden?
Die üblichen Grippemittel sind hierbei leider nicht wirksam. Ausreichende klinische Erfahrungen bei H5N1 Vogelgrippe–Kranken mit einer neuen und viel diskutierten Substanzklasse (den so genannten Neuraminidasehemmern) liegen noch nicht vor.

Experten gehen allerdings von der Wirksamkeit dieser Medikamente bei neuen pandemischen Influenzaviren aus, die wahrscheinlich aus dem Vogelgrippevirus hervorgehen werden.


Kann man  sich durch Impfung vor der Vogelgrippe schützen?
Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft gibt es auch in der Prävention nicht die "perfekte" Lösung. Niemand kann Zeitpunkt und Erscheinungsformen eines neuartigen Grippevirus und damit auch die Wirksamkeit und Auswirkungen der Maßnahmen und Medikamente wirklich vorhersagen.

Die erhältlichen Influenzaimpfstoffe zur Vorbeugung der menschlichen Grippe schützen leider nicht vor der Vogelgrippe bzw. vor einem neuen Pandemie-Virus.

Eine Grippeschutzimpfung ist jedoch in jedem Fall sinnvoll, um zum einen eine herkömmliche Influenza weitgehend zu verhindern. Aber auch, um eine Grippeerkrankung zu vermeiden, die bei Aufenthalt z. B. in Asien und dann bei der Rückkehr nach Europa fälschlich für eine Vogelgrippe gehalten wird und zu seuchenhygienischen Maßnahmen (u.a. Quarantäne) führen könnte.

Eine Impfung macht auch Sinn, um eine gleichzeitige Infektion mit menschlichen und tierischen Influenza-Viren und dadurch die Entwicklung eines neuen, potenziell pandemischen Virus zu verhindern.

An einem neuen, auch gegen Vogelgrippe wirksamen Impfstoff für den Menschen wird sehr intensiv gearbeitet.


Besteht für Reisende in Länder mit Vogelgrippe ein Risiko?
Eine Gefährdung von Reisenden in die betroffenen Länder besteht unter Berücksichtigung der unten genannten Empfehlungen gegenwärtig nicht.

Angesichts der Ausbreitung der H5N1-Vogelgrippe in Asien und Russland appelliert allerdings die Bundesregierung an Reisende, die Schutzmaßnahmen gegen ein Einschleppen der Seuche nach Deutschland zu beachten: Reisenden ist es verboten, aus den Drittländern, in denen die Geflügelpest aufgetreten ist, Geflügel oder andere Vögel, Geflügelfleisch, Eier und andere Produkte vom Geflügel sowie Federn oder unbehandelte Jagdtrophäen in die Europäische Union einzuführen!


Wie kann man sich bei Reisen in betroffene Länder schützen?
Die wichtigste Vorbeugemaßnahme besteht darin, Kontakt mit lebendem oder totem Geflügel zu vermeiden. Vogel- oder Geflügelmärkte sollte man unbedingt meiden.


Kann das Virus durch Speisen übertragen werden?
Das Virus wird durch Erhitzen bei 70°C abgetötet. Diese Temperatur muss beim Kochen oder Braten im Innern des Fleisches oder der Eier erreicht werden. Nach heutigem Wissensstand ist der Verzehr von so zubereiteten Geflügelgerichten und Eiern unbedenklich. Die Möglichkeit einer Übertragung durch rohe Geflügelspeisen wird vermutet. Wenn man nicht ganz auf Geflügelgerichte verzichten möchte, sind bei der Zubereitung bestimmte Hygienemaßnahmen zu beachten. Generell wird bei Aufenthalt in Ländern mit Vogelgrippe als Vorsichtsmaßnahme eine gründliche Händehygiene mit Wasser und Seife oder auch alkoholischen Desinfektionslösungen empfohlen.


Die aktuelle Situation
Die Risikoeinschätzung für die Entstehung eines neuen Influenzavirus, das eine Pandemie auslösen kann, ändert sich durch das aktuelle Geschehen nicht. Dies wäre nur der Fall, wenn der Erreger die Fähigkeit erlangt, sich effizient von Mensch zu Mensch auszubreiten

Derzeit gibt es keine Warnung der WHO für Reisende. Reisende können generell beim Auswärtigen Amt Informationen über Infektionsrisiken im Ausland herunterladen. Auch beim Luftfahrtbundesamt und bei den Fluggesellschaften sind Hinweise abrufbar.

Informationen über die Verbreitung der Geflügelpest sind unter anderem auf den Internetseiten der Europäischen Kommission und der Welttiergesundheitsorganisation erhältlich.

Informationen zu Maßnahmen gegen die Einschleppung des Virus nach Deutschland und zur Tierkrankheit sind beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie beim Friedrich-Loeffler-Institut / Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit abrufbar.

Es handelt sich hierbei um Empfehlungen, die regelmäßig aktualisiert und der aktuellen Lage entsprechend angepasst werden.


Woher stammt der Erreger der Vogelgrippe?
Die Vogelgrippe (auch Geflügelpest oder aviäre Influenza) ist eine seit über 100 Jahren bekannte Erkrankung bei Vögeln, die weltweit verbreitet ist. Sie wird vom Influenza-A-Virus verursacht. Die Geflügelpest ist eine für Geflügel und andere Vögel hochgradig ansteckende Viruserkrankung, die in Tierbeständen schnell epidemische Ausmaße annehmen kann.

Die Viren kommen in Zugvögeln, insbesondere Enten, häufig vor, die daran aber nicht oder nur geringfügig erkranken. Hühner und Puten hingegen erweisen sich dagegen als sehr anfällig für die Erkrankung. Die Geflügelpest hat sich seit Ende 2003 in Asien (Thailand, Vietnam, Kambodscha, China und in Indonesien) massiv ausgebreitet, in den letzten Wochen auch in Eurasien.


Das Wichtigste in Kürze

  • Reisen in betroffene Länder werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt als unbedenklich angesehen.
  • Der Kontakt mit lebendem oder totem Geflügel sollte jedoch vermieden werden.
  • Kein Besuch von Vögel- oder Geflügelmärkten.
  • Das Mitbringen von Vogelprodukten (einschließlich Federn) aus betroffenen Ländern in die EU ist verboten.
  • Der Verzehr von Geflügelfleisch oder Eiern ist nach derzeitigem Wissensstand unbedenklich, wenn diese gut gekocht sind.
  • Verzicht auf Halten von Ziervögeln bei Aufenthalt in den betroffenen Regionen.
  • Ein gegen Vogelgrippe wirksamer Impfstoff steht gegenwärtig noch nicht zur Verfügung.


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