Depressionen Was tun?
Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote
Depressionen gelten in Deutschland längst als Volkskrankheit. Pro Jahr sind etwa 5-6 Millionen Menschen davon betroffen, davon Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. In den Jahren 2001 bis 2005 nahmen die Krankheitstage bei Depressionen überproportional um 35 % zu. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation werden Depressionen bis zum Jahr 2020 die häufigste Volkskrankheit in den so genannten entwickelten Staaten sein.
Depressionen sind, wie so viele andere psychische Erkrankungen, nach wie vor ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Viele Menschen schämen sich für ihre Erkrankung und wollen nicht, dass andere davon erfahren. Sie fürchten sich vor der Stigmatisierung anderer und glauben, dass man sie nicht mehr ernst nimmt. Gezielte Gesundheitsaufklärung in allen Bevölkerungsschichten über das Krankheitsbild der Depression ist daher dringend notwendig. Genauso wie der Einsatz geeigneter Präventionsmodelle. Denn Depressionen sind eine schwere, ernst zu nehmende Krankheit.
Zahlen und Fakten zum Krankheitsbild
- Etwa 5 bis 6 Millionen Menschen sind pro Jahr von einer Depression betroffen.
- Bei Depressionen nahmen die Krankentage der Berufstätigen von 2001 bis 2005 um 35 Prozent zu
(Quelle: BKK-Gesundheitsreport 2006).
- Etwa 11.000 Menschen begehen jährlich in Deutschland Selbstmord. 40-50 % davon sind Depressionspatienten.
- Bei mehr als 50 % der Patienten wird die depressive Erkrankung nicht erkannt.
- Depressionen sind in der Regel gut behandelbar. Je früher eine Therapie beginnt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerden nicht chronisch werden.
- Allein für das Krankheitsbild der Depression fielen laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2004 etwa 4,2 Milliarden € Kosten für medizinische Behandlung, Reha ud Pfelge an.
- Die Verschreibung von Psychopharmaka verursachte 2006 fast 9 % aller Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung.
Woran erkennt man eine Depression?
Die Depression hat viele Gesichter und kann sich ganz unterschiedlich äußern.
Wichtigste Anzeichen:
Trauer ohne Grund
Der Erkrankte erlebt eine tiefe Traurigkeit, die begleitet wird von dem Gefühl innerer Leere und Hoffnungslosigkeit.
Antriebsschwäche und Entscheidungslosigkeit
Selbst die kleinsten Dinge des Alltags werden zur goßen Last. Es fällt dem Betroffenen schwer, Entscheidungen zu treffen. Er fühlt sich müde, erschöpft und kraftlos.
Angst
Häufig wird die Depression von Ängsten begleitet. Diese können sich z.B. darin äußern, dass der Betroffene Angst hat, unheilbar krank zu sein oder in ständiger Sorge um die Anghörigen lebt. Die Ängste können auch unbestimmter Art sein: Der Betroffene macht sich Sorgen, ohne genau zu wissen, warum. In seltenen Fällen kann es zu Angstattacken mit Atemnot, Herzrasen bis hin zur Todesangst kommen.
Konzentrationsstörungen
Häufig fällt es dem Betroffenen schwer, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Seine Gedanken kreisen immer wieder um bestimmte Probleme. Er fühlt sich schnell von Arbeitsabläufen und Aufgaben überfordert, die früher problemlos umzusetzen waren.
Schlafstörungen
Viele Betroffenen können nicht einschlafen oder wachen nachts häufig auf. Einige haben ein stark erhöhtes Schlafbedürfnis und fühlen sich trotz längerem Schlaf nicht ausgeruht.
Körperliche Beschwerden
Manche Erkrankte haben Schmerzen, für die der Arzt keine körperlichen Ursachen findet. Die Schmerzen können in ganz unterschiedlichen Körperregionen auftreten. Manche Patienten klagen über Herzschmerzen, Schmerzen im Schulter-Arm-Bereich. Auch Störungen im Magen-Darm-Bereich sind häufig.
Manische Phasen
10 % aller Depressionsfälle sind von so genannten manischen Phasen geprägt. In solchen Phasen überschätzt der Erkrankte seine Leistungsfähigkeit und reagiert häufig gereizt und aggressiv. Oder aber der Betroffene ist besonders gut gelaunt, ohne ersichtlichen Grund. In der manischen Phase fühlt sich der Patient optimistisch und hat einen starken Rededrang. Diese Symptome stehen ganz im Gegensatz zu den depressiven Phasen.
Selbsttest
Welche Psychotherapieverfahren gibt es?
Im Bereich der Psychotherapie gibt es eine Vielfalt von Behandlungsarten. Je nach Form der Psychotherapie findet eher eine Auseinandersetzung mit dem Unbewussten statt (z.B. in der Psychoanalyse oder anderen primär analytisch orientierten Therapieformen), um die Ursachen der Erkrankung zu klären oder es wird der Bereich des bewussten Denkens und Empfindens ergründet und durchleuchtet (z.B. in der Gesprächstherapie oder einer Verhaltenstherapie).
Die wichtigsten psychotherapeutischen Verfahren, die bisher als wissenschaftlich anerkannt gelten, lassen sich in folgende Gruppen unterteilen:
Konfliktorientierte Verfahren
Bei den am häufigsten zur Anwendung kommenden Psychotherapieverfahren steht der Konflikt, in dem sich der Betroffene befindet, im Vordergrund. Die Aufarbeitung des Unbewussten oder Konflikte aus der Kindheit spielen hierbei eine wichtige Rolle. Basis der konfliktorientierten Verfahren ist die klassische Psychoanalyse, aus der sich später weitere eigenständige Therapieformen entwickelt haben.
Handlungsorientierte Verfahren
Bei den handlungsorientierten Verfahren spielen das Unbewusste oder auch Konflikte aus der Kindheit eine untergeordnete Rolle. Ziel des handlungsorientierten Verfahrens sind konkrete aktuelle Probleme und ihre Bewältigung. Betroffene sollen lernen, ihr Verhalten so zu verändern, dass die Störung nicht mehr auftritt.
Konfliktorientiert: Analytische Psychotherapie
Die analytische Psychotherapie hat zum Ziel, länger zurückliegende, unbewältigte und verdrängte Konflikte des Patienten bewusst zu machen. Im Laufe der Therapie lernt der Patient die Zusammenhänge verdrängter Konflikte und aktueller Belastungen besser zu verstehen, was ihm ermöglicht, Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Dieser Entwicklungsprozess ermöglicht seelische Erleichterung und eine Veränderung der Persönlichkeitsstruktur.
Konfliktorientiert: Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Diese Psychotherapieform hat sich aus der psychoanalytischen Therapie entwickelt. Auch bei dieser Behandlungsform wird davon ausgegangen, dass der aktuellen Problemsituation ein innerpsychischer Konflikt zugrunde liegt. Die Ursachen hierfür werden in der Persönlichkeit oder der Vergangenheit des Patienten gesucht. Im Unterschied zur analytischen Psychotherapie steht hierbei das aktuelle Geschehen stärker im Vordergrund. Die Therapiedauer ist wesentlich kürzer.
Handlungsorientiert: Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie setzt an der aktuellen Situation an: Weshalb hat der Patient im Augenblick die Beschwerden? Wie muss er anders denken, fühlen und handeln, um sie zu überwinden? Der Patient kann neue Einstellungen und Verhaltensweisen lernen, um z.B. Ängste oder Essstörungen zu überwinden oder sein Selbstvertrauen zu stärken.
Anwendungsbereich: Die Verhaltenstherapie hat sich insbesondere bei der Behandlung von Depressionen, Ängsten, Zwängen und Selbsttsicherheitsproblemen gut bewährt. Sie wird unter anderem z.B. auch angewandt bei Essstörungen, Schmerzstörungen und sexuellen Funktionsstörungen.
Wie lange dauert eine Psychotherapie?
Die Therapiedauer ist abhängig von dem Therapieverfahren, das Anwendung findet und von dem individuellen Therapieziel und Therapieverlauf.
Therapiedauer:
Die analytische Psychotherapie dauert in der Regel länger als andere Therapieformen. Normalerweise werden 2-3 Wochenstunden veranschlagt. Insgesamt dauert sie in der Regel 160 Stunden. In besonderen Fällen kann sie bis zu 300 Stunden verlängert werden.
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie dauert in der Regel 1 Stunde pro Woche, bis zu 50 Stunden insgesamt. In besonderen Fällen kann sie bis zu 100 Stunden verlängert weden.
Die Verhaltenstherapie dauert in der Regel 1 Stunde pro Woche, bis zu 45 Stunden insgesamt. In besonderen Fällen kann sie bis zu 80 Stunden verlängert werden.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt?
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen derzeit die Kosten von drei Psychotherapieverfahren:
- Analytische Psychotherapie
- Tiefenpsychologische fundierte Psychotherapie
- Verhaltenstherapie
Folgende Bedingungen müssen dabei erfüllt sein:
- Es muss eine Störung mit Krankheitswert vorliegen (z.B. Depressionen, Zwangskrankheiten, Angstneurosen, Panikattacken, Essstörung, psychosomatische Erkrankung, Folgen von Suchtkrankheiten, schwere chronische Erkrankungen und Folgen psychotischer Erkrankungen). Die Kosten für Ehe-, Lebens- oder Erziehungsberatung werden beispielsweise nicht übernommen.
- Die Therapie muss von einem psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung durchgeführt werden. In besonderen Fällen erstatten die Krankenkassen auf Antrag die Kosten, die bei privat praktizierenden Therapeuten anfallen (wenn z.B. in angemessener Zeit und räumlicher Entfernung keine Behandler mit Kassenzulassung zur Verfügung stehen).
Alle genannten Therapieformen können als Einzeltherapie oder als Gruppentherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen stattfinden.
Stationäre Einrichtungen bieten eine große Zahl weiterer Therapien an (z.B. Gesprächstherapie, Musiktherapie, Maltherapie, Psychodrama usw.). Für Therapien während einer stationären Behandlung entstehen Ihnen in aller Regel keine zusätzlichen Kosten.
Bei den Privatkassen hängt die Leistung von der Krankenkasse und der Art des Tarifes ab. Am besten erkundigen Sie sich vorab bei Ihrer Krankenkasse.
Da die Begriffe "Therapeut" und "Therapie" nicht geschützt sind, gibt es leider auch weniger seriöse Therapien und Anbieter. Informieren Sie sich daher bevor Sie eine Psychotherapie beginnen.
Erste Beratungs- und Anlaufstellen
Sie können Ihr Problem zum Beispiel bei Ihrem Arzt (Hausarzt, Psychiater, Neurologen) ansprechen und ihn um seine Unterstützung bitten. Er kann Sie bezüglich der für Sie geeigneten Therapiemethode beraten. Eventuell kennt er geeignete Therapeuten oder kann sogar selbst die Therapie übernehmen.
Es gibt auch Einrichtungen, in denen Sie sich beraten lassen können, ob eine Psychotherapie überhaupt als Behandlung in Frage kommt, welche Art von Therapie geeignet wäre und wer diese durchführen könnte. Zu diesen Bratungseinrichtungen zählen u.a.:
- Psychiatrische Polikliniken
- Sozialpsychiatrische Dienste
- Beratungsstellen der Caritas oder Diakonie
Natürlich können Sie sich auch selbst auf die Suche nach einem Psychotherapeuten machen.
Wie finde ich einen qualifizierten Psychotherapeuten?
Bevor Sie bei einem Therapeuten anrufen, sollten Sie sich zunächst darüber informiert haben, welche Therapiemethode für Ihr Problem geeignet sein könnte. Suchen Sie dann gezielt nach Psychotherapeuten mit Krankenkassenzulassung.
Adressen erhalten Sie unter anderem über:
- Ihre Krankenkasse
- Psychotherapie-Koordinationsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, Tel. 01805/809680
- Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Tel. 089/78171
- Bayerische Landesärztekammer, Tel. 089/41470
Weitere Informationen erhalten Sie im Wegweiser Psychotherapie (Download)
Was Sie zum Ablauf der Psychotherapie noch wissen sollten
Wenn Sie bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind:
Sie können direkt mit Ihrer Versichertenkarte zum Psychotherapeuten gehen. Sie benötigen keine Überweisung von einem Arzt, müssen jedoch auch beim Psychotherapeuten 10,- pro Quartal zuzahlen, wenn Sie keinen Überweisungsschein haben.
Höchstens 5 Probesitzungen (sog. probatorische Sitzungen) bei der Verhaltenstherapie und 8 Sitzungen bei der Psychoanalyse haben Sie Zeit, den Therapeuten näher kennen zu lernen und mit ihm über Therapieziele, Therapieverfahren und Umfang der Therapie zu sprechen. Danach entscheiden Sie mit dem Therapeuten, ob Sie eine Therapie bei der Krankenkasse beantragen. Sollten Sie mit dem Therapeuten nicht klar kommen, dürfen Sie bei einem weiteren Therapeuten probatorische Sitzungen machen. Sofern Sie einen Psychologischen Psychotherapeuten aufgesucht haben, müssen Sie nach Abschluss der probatorischen Sitzungen einen Arzt (dies kann Ihr Hausarzt sein) aufsuchen, der abklärt, ob aus medizinischer sicht etwas gegen eine psychotherapeutische Behandlung spricht.
Wenn Sie bei einer Privatkasse versichert sind:
Klären Sie vorab bei Ihrer Privatkasse ab, ob Sie die Kosten für die Psychotherapie übernimmt. Fragen Sie genau nach:
- Welche Kriterien muss der Psychotherapeut erfüllen: Benötigt er eine Approbation? Muss er bei den gesetzlichen Krankenkassen zugelassen sein?
- Welche Therapieformen werden gezahlt?
- Wie hoch ist der Satz, der pro Sitzung gezahlt wird?
- Wie viele Sitzungen insgesamt oder pro Jahr werden gezahlt?
- Benötigen Sie ein Gutachten? Von einem Psychotherapeuten oder Facharzt?
- Warten Sie auf jeden Fall die schriftliche Leistungszusage ab, ehe Sie mit der Psychotherapie beginnen.
Ist ein Wechsel des Psychotherapeuten im Verlauf der Psychotherapie möglich?
Ja, dann, wenn das Vertrauensverhältnis gestört ist. Besprechen Sie zunächst mit Ihrem Psychotherapeuten, was Sie geärgert oder gestört hat. Möglicherweise ist dies wichtig für den Therapieprozess. Ebenso wie bei jeder Beziehung zu anderen kann es immer einmal zu Missverständnissen kommen. Sprechen Sie auch an, wenn Sie den Eindruck haben, nicht voranzukommen.
Wichtige Adressen und Links
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